Geben und Nehmen – ein ewiger Austausch

Eines Tages hörte ich Radio, es kam eine Meinungsumfrage zum Thema „Geben“. Eine junge Frauenstimme stellte überzeugt fest: „Ich gebe niemanden was. Warum denn auch? Mir gibt doch auch keiner was!“

Diese Aussage stimmte mich nachdenklich. Wie kommt es, überlegte ich, dass immer mehr Menschen denken, sie müssten erst etwas bekommen, um selbst etwas zu geben zu können? Warum denken wir, dass es die anderen sind, die uns etwas bieten, geben, schenken sollen? Warum sehen wir nicht, welche Geschenke uns jeden Tag gemacht werden? Ist uns eigentlich klar, was für ein Geschenk unser Leben ist? Ist dem einen oder der anderer klar, wie mühsam eine Erziehung ist? Wieviele Sorgen und Entbehrungen mussten ihre Eltern auf sich nehmen, damit es den Kindern gut geht? Waren das keine Geschenke?

Wir Wahrheitssucher sind von der Reinkarnation überzeugt. Und davon, dass eine Seele lange warten muss, bis sie in eine für ihre Entwicklung geeignete Umgebung hineingeboren werden kann. Es sollte uns bewusst werden, dass – lange bevor wir auf die Welt kamen – uns jemand ein großes Geschenk machte: unsere Eltern. Sie haben es uns ermöglicht, in dieser materiellen Welt ein Zuhause zu bekommen! Auch die vom Schicksal geschenkten Erfahrungen sind ja auch nichts anderes als Geschenke: Gelegenheiten, etwas zu lernen. Sie geben uns und unserer Seele eine Chance zur Weiterentwicklung! Und wir nutzen ein weiteres großes Geschenk – mit unserem freien Willen dürfen wir unsere Umwelt gestalten.

Die Mitmenschen sind uns auch ein Geschenk, denn in ihnen sehen wir uns selbst. Sie sind unsere Spiegelbilder: wie wir ihnen gegenüber treten, so werden sie sich auch uns gegenüber verhalten.

Die junge Dame in der Radiosendung meinte, ihr würde niemand etwas schenken, und da hat sie vermutlich recht. Denn sie ist von Menschen umgeben, die wahrscheinlich selbst so egoistisch und egozentrisch sind, wie sie selbst ist. Warum sollten sie der jungen Dame etwas schenken? Ihnen schenkt ja auch niemand was. Dabei merken sie nicht, was sie jeden Tag empfangen – die Energie, die sie zum Leben brauchen, das Licht, durch das sie überhaupt zu leben fähig sind. Sie sehen nicht, wie die unsichtbaren Helfer sich um den Zustand ihres Körpers, um ihren Geist kümmern. Sie sehen es nicht, und es ist ihnen überhaupt nicht bewusst, dass ohne jenseitliche Hilfe ihre Körper überhaupt nicht existieren könnten.

Und auf unserer materiellen Ebene? Nun ja. Wenn man will, kann man es sehen. Um uns gibt es immer mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Man kann sehen (wenn man will) wie jung und alt sich um die Schwächeren kümmern. Die Wohltätigkeitsorganisationen, Vereine, Palliativ-Stiftungen … ich könnte ewig viel aufzählen. Überall gibt es Freiwillige, die Kindern und Erwachsenen helfen, sich in dieser (bis zum Wahnsinn materiell gewordenen) Gesellschaft zurechtzufinden. All diese Menschen fragen nicht „was kriege ich denn dafür?“

Sie geben, weil sie es so wollen. Komischerweise kriegen sie trotzdem etwas zurück, auch wenn sie auf materielle Gegenleistung nicht bestehen. Das Lachen der glücklichen Kinder, ihr echtes Interesse, die rührende Geste einer alten Hand, der vertrauensvolle Blick eines Bedürftigen und schließlich ein Gemeinschaftsgefühl der Helfenden: „Wir gehören zusammen, und zusammen können wir alles bewegen.“ Es ist viel mehr als ein Gegenstand, den die junge Dame kriegen könnte. Aber dazu müsste sie erst die anderen um sich herum bewusst wahrnehmen.

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